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Gut kopiert: Initiative SaferInternet ruft zu freiwilliger Selbstkontrolle auf!

Wir erinnern uns: Noch im letzten Jahr schlugen die Wellen im Austro-Web hoch, als der Österreichische Internetrat (daselbst) zu Online-Ethik, freiwilliger Selbstkontrolle und allgemein einem leisten Tritt im Internet aufrief. Ein Jahr später sind diese Forderungen bereits in den Internet-Mainstream eingegangen, sogar mit offizieller Unterstützung durch die Europäische Union: „Think before you post!“ – unter diesem Motto findet am 9. Februar 2010 der Europäische Safer Internet Day statt. Ein Schelm ist, wer da nicht sofort erkennt, dass dem ÖIR da quasi die Worte vom stets auf der Tastatur arretierten Finger (und die Betonung liegt hier auf arretiert) genommen wurden. Zentrale Anlaufstelle für sicheren Datenverkehr will die Webseite unter der Domain saferinternet.at werden – und sich dabei von den wachsamen Augen des Österreichischen Internetrats beobachtet wissen. Eingaben können wie immer gleich hier getätigt werden.

Internetrat ermittelt gegen PR-Ethik-Rat

Der ÖIR begrüßt als unabhängiges und selbst-konstituiertes Gremium eine reichhaltige österreichische Rats-Landschaft und freut sich grundsätzlich über engagierte Kollegen, die sich lauthals Sorgen über den Ethikverfall in der österreichischen Medienlandschaft machen. Betätigungsfelder gibt es mehr als genug, und in der zwielichtigen Welt der PR lauert hinter jeder Presse-Aussendung ein potentieller Ethikverstoß – insofern war die Gründung des österreichischen Ethik-Rats für Public Relations im Dezember 2008 mehr als überfällig. Durch einen Artikel in der Tageszeitung “Der Standard” stießen wir allerdings auf eine vermutete Kompetenz-Anmaßung, die uns zwingt, genauere Nachforschungen anzustellen.

Eine gewisse strukturelle Ähnlichkeit mit dem Internetrat lässt sich keinesfalls verleugnen:

Als Organ der freiwilligen Selbstkontrolle der heimischen PR-Fachleute überwacht der Ethik-Rat die Einhaltung ethischer Grundsätze in der Öffentlichkeitsarbeit, untersucht Streitfälle, benennt Missstände und zeigt Fehlverhalten auf.

Wiewohl unterscheidet sich der ÖIR vom PRER in einem wesentlichen Punkt: unser Verweisverfahren läuft vollkommen transparent ab, während der PRER auf totale Undurchsichtigkeit setzt, wie der Standard berichtet:

Seit der PR-Ethik-Rat Ende 2008 seine Arbeit aufgenommen hat, wurden schon zahlreiche Beschwerden wegen “mangelnder Abgrenzung von Werbung und redaktionellen Inhalten in verschiedenen Medien” an ihn herangetragen. […] Die Beschwerden beziehen sich auf neun konkrete Fälle [Hervorhebung durch den ÖIR, eckige Klammer samt Inhalt ebenfalls]. Der Rat will aber keine Einzelfälle publik machen, da es sich um ein “branchenweites Problem” handle. Ratsvorsitzender Wolfgang Langenbucher, emeritierter Vorstand des Wiener Publizistik-Instituts: “Mit der neuen Vielfalt an Medien hat sich auch eine Vielfalt an neuen Werbeformen herausgebildet, bei denen die klare Unterscheidbarkeit von redaktioneller Berichterstattung und Werbung zunehmend verschwimmt.” Ob das mit Absicht geschehe oder nicht, sei unerheblich: “Wenn die Konsumenten getäuscht werden, so untergräbt das auf Dauer die Glaubwürdigkeit der Medien, die dann ihre gesellschaftliche Aufgabe nicht mehr erfüllen können.”

Abgesehen von der Tatsache, dass totale Geheimhaltung nicht nur auf den ersten Blick der Mission “Missstände benennen” und “Fehlverhalten aufzeigen” zu widersprechen scheint, war es vor allem der Rekurs auf die “neuen Werbeformen”, der uns sofort aufhorchen ließ – Ununterscheidbarkeit von redaktionellem Content und Werbung, total massenmediale Disfunktionalität (vgl. Ulrich Saxer u.ä.) – es gibt nur zwei Möglichkeiten: Wolfgang Langenbucher bezieht sich offenbar entweder auf Teletext, das Internet oder beides.

Der ÖIR vermutet, dass sich mindestens einer der neun Verstöße auf ein Online-Medium bezieht und damit (auch) unter die Zuständigkeit des ÖIR fällt. Wir fordern den PREthikrat daher dringend zur Zusammenarbeit auf, da nur eine Offenlegung des betreffenden Falles uns die allfällige Einleitung eines Verweisverfahrens ermöglicht. Der Fall des “Kronenzeitungs-Leserbriefs” hat deutlich gezeigt, dass Informationen, sobald sie frei zugänglich im Internet stehen, nicht nur potentiell für immer öffentlich zugänglich sind, sondern sich auch permanent der Gefahr der Verfälschung durch Weitergabe und anderen Risiken ausgesetzt sehen. Denn Dokumentation ist ein essentieller Bestandteil lückenloser Aufklärung und in ihrer beispielgebenden Wirkung ein unverzichtbarer Motor effektiver freiwilliger Selbstkontrolle.

ÖIR Barcamp, Anlaufstellen und Infrastruktur-Unabhängigkeit

Kennen Sie das Phänomen der selektiven Wahrnehmungsveränderung? Kaum bündelt man die eigene Aufmerksamkeit auf ein bestimmtes Phänomen, taucht es auch schon an allen Ecken und Enden auf. (Wie in dem berühmten Experiment, in dem Stanley Milgram von dem rosaroten Elefanten, an den er nicht denken sollte, fast aufgefressen worden wäre.) Die Räterepublik lebt in fast ganz anderem Sinn fort, an allen Ecken und Enden sprießen PR-Räte, Geheimräte und geheime PR-Räte aus dem Boden. Beim gestrigen ÖIR-Barcamp haben wir die österreichische Ratssituation eingehend analysiert und können mit Beruhigung feststellen: Besorgte Hobby-Ethiker finden mittlerweile so viele Anlaufstellen wie nie zuvor.

Nur um den Facebookrat machen wir uns doch ernsthafte Sorgen und möchten darauf hinweisen, dass es uns überaus gefährlich erscheint, einen Facebook-Rat innerhalb von Facebook zu gründen, da man sich damit einem willkürlichen Verhalten des Hosts aussetzt. Es steht leider zu befürchten, dass sich der Facebook-Rat in kritischen Fragen mit Facebook-CEO Mark Zuckerberg wird arrangieren müssen, da ansonsten die betreffende Gruppe jederzeit gelöscht werden kann. (es wäre nicht der erste Ethik-Rat, welcher der Willkür von “Betreibern” zum Opfer fällt.) Bei der gestrigen Session “Rats-Infrastruktur und Unabhängigkeit” haben wir ein Konzept ausgearbeitet, das wir dem Facebookrat dringend empfehlen möchten: getreu unserem Prinzip, dass im Zweifelsfall nur jener das letzte Wort besitzt, welcher serverseitig filtert, liegt die einzig vernünftige Lösung im Aufbau einer Ethik-immanenten Parallelstruktur. Analog zu saubertweeten (mehr dazu in Kürze) sollte idealerweise ein eigenes “Facebook” (ev. “Cleanbook”) betrieben werden, um jegliche Betreiber-seitige Einflussnahme auf den medien-ansässigen Ethikrat zu verhindern. (Ähnliches gilt für Myspace-, StudiVZ- und gleichwertige Räte.)

PS: Dies ist kein Verweis, sondern lediglich eine Empfehlung.

Eingabesystem gelauncht, erfreuliche Media-Coverage

Heute gibt es ausnahmslos erfreuliche Nachrichten! Die Big News des Tages ist unser brandneues Eingabesystem – ab sofort können Eingaben zur Einleitung eines Verweisverfahrens eingereicht werden. Wir möchten an dieser Stelle nochmals daran erinnern, dass der ÖIR niemals initiativ tätig wird, sondern eine Verweisverfahrensprüfung ausschließlich auf Antrag (den allerdings auch Mitglieder stellen können) erfolgt. Eintragsberechtigt ist jeder Besucher dieser Seite. Für Feedback zu unserem Eingabeformular sind wir Ihnen sehr dankbar: wiewohl unsere Usability-Experten auf größtmögliche Verständlichkeit geachtet haben, lauern die Stolperfallen oft dort, wo man sie nicht vermutet.

Wie bereits angekündigt sind Eingaben für den Eingabesteller mit keinerlei Kosten verbunden – wir bitten Sie jedoch, alle Felder des Formulars gewissenhaft und vollständig auszufüllen, denn damit helfen Sie uns, unsere Arbeit wesentlich effizienter und rascher zu erledigen. Und so sieht das brandneue Eingabeformular aus: (Achtung, die eingetragenen Daten sind lediglich Dummy-Blindtexte)

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Was passiert nach der Verfertigung und Einreichung einer Eingabe?

Ein Mitglied des ÖIR-Vorstands, das zum gegebenen Zeitpunkt Journaldienst hat, erhält eine Verständigung über die neue Eingaben und leitet so schnell als möglich eine (formale) Vorprüfung ein, die sich (noch) nicht mit der inhaltlichen Dimension des jeweiligen Falls befasst. Fällt diese Prüfung positiv aus, so entscheiden mindestens 3/5 des Vorstands mit einfacher Mehrheit über die Einleitung eines Prüfverfahrens. Dieses wird im kompletten Vorstandkreis bei nächstmöglicher Gelegenheit verhandelt und führt (vorbehaltlich notwendiger Recherchen und Dritt-Meinungen) gegebenenfalls zu einem Verweis oder zur Niederschlagung des Verfahrens.

Erfreuliche Medienpräsenz für den ÖIR

Nur drei Tage nach seiner Gründung freut sich der ÖIR über die rasche und durchwegs positive Resonanz österreichischer Branchenmedien, beispielhaft sei hier der Artikel Online-Sitten-Wächter im österreichischen Branchenblatt ATMEDIA.AT erwähnt:

Der Internetrat ist Anlaufstelle für jene Menschen, denen “Ethikverstösse” im Web auffallen. […] In den ersten Tagen ihrer Arbeit beschäftigten sich die Vereinsmitglieder vor allem mit Beschimpfungen auf Twitter.

Wir danken ATMEDIA für diesen Beitrag – wer auf den Link klickt, hat außerdem die Möglichkeit, eine ersten Blick auf eine (derzeit nur zu internen Testzwecken verwendete) Beta-Version eines “Ethik-Bars” zu sehen.

Neues Design, Autorenbilder, Ehrenrührigkeiten

Der Österreichische Internetrat nimmt sich das Feedback seiner emanzipierten Konsumenten zu Herzen. In aller gebotenen Eile haben wir uns bemüht, auf die häufigsten Kritikpunkte – fehlende Personalinfos, Unglaubwürdigkeit durch Standard-WordPressTheme – zu reagieren und hoffen, dass die Seite im neuen Look weiterhin auf Ihrer verstärktes Interesse stößt.

Es handelt sich um ein vorläufiges, noch zu optimierendes Design, das wissen wir. Und wir zählen auf Sie, um uns weiter zu verbessern! Ein aktueller Vorfall von klarer Ethikverletzung auf Twitter hat uns heute gezeigt, dass wir keine Zeit mehr verlieren dürfen und unser Eingabesystem so schnell wie möglich online bringen müssen.

Der zweite Twitter-Skandal um den ÖIR

Wer sich angesprochen fühlt…

…wirft mit Steinen und vergisst dabei, dass er im Glashaus sitzt. Wir sehen uns durch die teils heftig emotionalen Reaktionen in unserer Mission für mehr Selbstkontrolle überaus bestätigt. Genau aufgrund solcher Tweets braucht Österreich einen Internetrat. Wir möchten um ein wenig Mäßigung bitten:

hirnamputiert

Ich denke, dieses Tweet fällt an sich gar nicht in unseren genuinen Zuständigkeitsbereiche – für öffentliche Beleidigungen sowie ruf- und kreditschädigende Äußerungen sind im allgemeinen die Gerichte verantwortlich. Wir verstehen, dass unser ambitioniertes Vorhaben speziell bei einer bestimmten Gruppe von Usern, die sich auf Kosten anderer bisher ungestraft aufführen konnten, wie sie wollten, auf heftige Kritik stößt. Und wir vermuten, dass Tom Zwischenruf nicht einmal der richtige Name des betreffenden Users ist, möchten aber bitten im Sinne der guten Sitten und des demokratie-adäquaten Umgangs miteinander auf Ehrenrührigkeiten zu verzichten.

Vorstellung des Vorsitzenden Gremiums

Eigentlich ist der Termin beim Fotografen erst für das Ende dieser Woche angesetzt, aufgrund der riesigen Medienresonanz möchten wir allerdings den “Buzz” am Schopf ergreifen und uns an dieser Stelle einer neugierigen EU-, insebesondere aber einer österreichischen Öffentlichkeit vorstellen. Vollständige Informationen über die Zusammensetzung und die Aufgabenverteilung des ÖIR finden Sie auf der Seite Vorstand.

Voranschickend muss gesagt werden, dass der Gründung monatelange konzeptionelle Überlegungen voran gingen. Nach intensiven Debatten erscheint es uns als die einzig vernünftige Lösung, keinerlei Vertreter des ORF und/oder der österreichischen Printmedienszene an Bord zu holen. Unsere höchste Prämisse ist Unabhängigkeit dieses Gremiums von jeglicher politischer Einflussnahme.

Wir sind uns darüber bewusst, dass im Zuge unser gesellschaftspolitisch unverzichtbaren Arbeit durchaus der eine oder andere Interessenskonflikt zwischen Privatperson und Gremiumsmitglied auftreten kann und möchte daher darauf hinweisen, dass wir alle diese Doppel-Funktion reflektieren, streng trennen und gegebenenfalls durchaus bereit sind, Eingaben gegen uns selbst oder gegen andere Mitglieder des Gremiums zu machen. Sämtliche internen Entscheidungsfindungsprozesse des Österreichischen Internetrats laufen nicht-öffentlich und damit auch nicht transparent ab, um jedwede Form der Beeinflussung unmöglich zu machen. Wir möchten daran erinnern, dass der Österreichische Internetrat (noch) keinerlei Subventionen oder Förderungen erhält und wir Eingaben lediglich im Rahmen unserer ressourcen-technischen Möglichkeiten bearbeiten können – übrigens eine Gemeinsamkeit mit der österreichischen Justiz. (Das soll jetzt aber niemanden einschüchtern.)

Wir möchten uns an dieser Stelle auch für ein kleines Versäumnis entschuldigen – bei zahlreichen Vertretern der Presse haben die fehlenden Informationen offensichtlich für Verwirrung gesorgt. Da sich die Seite noch im Aufbau befindet, bitten wir einstweilen über die eine oder andere kleine hinwegzusehen.

Gremiumsmitglieder mit vollem Stimmrecht

Vorstandsduo:
Peter Steinberger, Universität Wien, Medienforscher und Kommunikations-Kompetenz-Berate
Judith Denkmayr, Social Media Expertin, Bloggerin, Girl Geek, ATV.at Diversifikation & Online

Gremiumsmitglieder:
Jana Herwig, Universität Wien, Medienforscherin und Bloggerin
Michael Kamleitner, Nonsmokingarea, Senior Social Media Guru

Generalsekretär: Ritchie B. Pettauer, Universität Wien, Lektor, Medienberater und Blogger

Weitere Informationen über den Vorstand

Österreichischer Internetrat unter Beschuss

Wir freuen uns, dass der Österreichische Internetrat bereits wenige Stunden nach der Gründung ein derart breites mediales Echo erfährt. So warnt unter anderem der populäre östereichischer “Tweeper” Markus Pirchner vor uns:

internetrat

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Österreichischer Internetrat nimmt Arbeit auf

Im Rahmen einer Blog-Installation wurde heute in Wien der österreichische Internetrat der Welt-, insbesondere aber der österreichischen Öffentlichkeit vorgestellt. Der österreichische Internetrat besteht derzeit aus 5 Mitgliedern.

Für Gründungsmitglied Ritchie Pettauer entspricht der Österreichische Internetrat der Philosophie der EU, in der die Medien als “Public Watchdog” eine wichtige Rolle spielen. Als Blogger mahnt er: “Nicht alles, was ethisch nicht in Ordnung ist, ist Unrecht.”

Die Mitglieder des Österreichischen Medienrates betonen, dass sie als Personen und nicht als Vertreter ihrer jeweiligen Redaktion oder Vereinigung tätig sind. Das garantiert die Unabhängigkeit der Entscheidungen und vermeidet  Einflussnahmen seitens jener journalistischen Organisationen, denen die Mitglieder angehören oder die sie selbst betreiben (siehe Wikipedia, Schlagwort “Persönlichkeitsspaltung”).