Im Einsatz für den österreichischen Tweet – Internetrat stellt AT-Twittercode vor

Wer einen Blick ins Internet wirft, kann das kaum tun, ohne an allen Ecken und Enden auf Anglizismen zu stoßen: Über all geht’s ums Wörld Weid Web, um Brauser, Uhrls, Daunlohds, möchte man meinen, so man nicht des Schriftenglischen mächtig ist. In Anerkennung des affektiven Gehalts der Sprache setzt sich der Internetrat ein für ein Web, in dem sich auch nicht anglophone ÖsterreichbewohnerInnen zuhause fühlen. Darum unterstützt der Internetrat nicht nur den AT-Twittercode ausdrücklich, sondern trug sogar maßgeblich zu dessen Genese bei. Fail, wtf, ftw? Oasch, Oida, schee – so lautet in Ö die Devise!

Um ein weiteres Mal und in gewohnter Manier seine Niederschwelligkeit unter Beweis zu stellen, ersinnt der Internetrat nicht nur solche Aktionen, sondern stellt sie auch interaktiv und synergetisch im Web zur Aneignung bereit. Sogar ganz offiziös und transparent: Als RFC, Request for Comments, bitte um Kommentar zwecks Verbesserung!

#########AT-Twittercode#######

ARGE Grantltweet
Judith Denkmayr, Jana Herwig, Ritchie Blogfried Pettauer, Peter Steinberger – Österreichischer Internetrat (ÖIR)
Request for Comments: 1AT
Category: Proposed Standard
Dezember 2009, V. 1.00 (17.12.2009)

AT-Twittercode

Abstract und Status

Ersten informellen Vorschlägen sind bereits experimentelle Standardisierungsversuche gefolgt, welche außerordentlich gut angenommen wurden und sowohl den Mediensprung als auch den Kultursprung (selbst hochrangige VertreterInnen der Journaille setzen den AT-Twittercode ein) bereits überwinden konnten. Angestrebt wurde die mittelfristige Anpassung verkürzter Webnervositäten (FAIL; WTF, FTW, LOL, SCNR) in bodenständigere Varianten im lokalen Idiom. Think global, type local.

Im folgenden werden die derzeitigen Vorschläge unterbreitet, da Unstimmigkeiten bereits zu beobachten waren. Vorschläge werden bitte gemacht unter Angabe der Laufnummer (1.1, 1.2.1, etc). Das jeweils vorgefügt #-Zeichen soll kenntlich machen, dass es sich um ein Hashtag zur Auszeichnung und kategorialen Zuordnung von Hashtags handelt. Als generelle Richtlinie wird vorgeschlagen, nur Hashtags von maximal doppelter Länge des Englischen in die engere Wahl zu ziehen. Österreich hat etwas mehr Aufmerksamkeit verdient. Weiters wird darauf hingewiesen, dass die Anwendung jedem offen steht, der oder die sich in diesen Ausdrücken beheimatet fühlt – erster Vorschlag und RFC selbst wurden von einer Piefkenesin verfasst – wenn das kein Anzeichen für die grenzüberschreitende Attraktivität des Idioms ist. Sprache gehört denen, die sie anwenden!

Übersicht

1. English (existierende englsiche Kürzel)
1.1 #fail
1.2 #wtf
1.3 #ftw
1.4 #lol
1.5 #bump
1.6 #scnr
1.7 … (bei weiteren Vorschlägen Zählung selbst vornehmen)

2. Österreichisch (Exklamationen, die es wert wären, einem englischen Kürzel zugeordnet zu werden)
2.1 Wos zum Geier
2.2 Züpföhgsicht
2.3 Saubeiel
2.4 zach
2.5 Du kriegst a Wotsch, dass dir 14 Tog der Schädl wockelt
2.6 … (bei weiteren Vorschlägen Zählung selbst vornehmen)

Äquivalente

1. English (existierende englsiche Kürzel)
1.1 #fail
#oasch
1.1.1 Weitere Alternativen

1.2 #wtf
#oida
1.2.1 Weitere Alternativen
#heast

1.3 #ftw
#schee
1.3.1 Weitere Alternativen
#leiwand

1.4 #lol
(???)
1.4.1 Weitere Alternativen

1.5 #bump
(???)
1.5.1 Weitere Alternativen

1.6 #scnr
(???)
1.6.1 Weitere Alternativen

1.7 … (bei weiteren Vorschlägen Zählung selbst vornehmen)

2. Österreichisch (Exklamationen, die es wert wären, einem englischen Kürzel zugeordnet zu werden)
2.1 Wos zum Geier
(???)
2.1.1 Weitere Alternativen

2.2 Züpföhgsicht
(???)
2.2.1 Weitere Alternativen

2.3 Saubeiel
(???)
2.3.1 Weitere Alternativen

2.4 zach
(???)
2.4.1 Weitere Alternativen

2.5 Du kriegst a Wotsch, dass dir 14 Tog der Schädl wockelt
(???)
2.5.1 Weitere Alternativen

2.6 … (bei weiteren Vorschlägen Zählung selbst vornehmen)

#########AT-Twittercode#######

Das Textdokument der Version 1.00 kann hier heruntergeladen werden:

RFC1AT_V1_00_AT-Twittercode.txt

25 Kommentare zu „Im Einsatz für den österreichischen Tweet – Internetrat stellt AT-Twittercode vor“

  • judith says:

    Ein Ergänzungsvorschlag zu 1.2, demzufolge 1.2.2 #euda – eine soziolektische Lautungsvariante von #oida, die vor allem unter jungen Erwachsenen, meist männlich, und auf einige wenige Gemeindebezirke beschränkt (empirisch nachgewiesen in Alsergrund und Brigittenau) verwendet wird.

  • judith says:

    Ja, und ergänzend sollte in die österreichischen Exklamation #Hurerei (2.6) ausgenommen werden.

  • jana says:

    #Hurerei und #euda als generationenspezifische Alternative – müssen unbedingt hinzu!

    Schlage vor, eine Vorschlagsphase bis zum 5. Jänner 2010 laufen zu lassen und dann V.1.01 zu entwickeln.

  • jana says:

    Und korrigiert werden muss natürlich:

    2.5 Du kriegst a Wotsch, dass dir 14 Tog der Schädl wockelt

    ->

    2.5 Du kriegst a Wotschn, dass dir 14 Tog der Schädl wockelt

  • ritchie says:

    Wer sich jemals gefragt hat, wie, warum und ob sich das Internet weiterentwickelt – nie war dieser Prozess transparenter!

    Ein Vertipper ist mir noch aufgefallen:
    2.3 Saubeiel -> Saubeidl [elendiga]

  • Wini says:

    Alternative für #lol evt pockinet (#pin)
    Und heißt es nicht Watschn?

  • jana says:

    Ah, Beidl, da habe ich nur phonetisch interpretiert. Wird dann in Version 1.01 geändert. Beim ÖIR können alle Änderungen mi.nu.zi.ös nachvollzogen werden.

  • jana says:

    Wotschn wird Watschn – wobei grundsätzliche Frage der Schreibweise (lautmalerisch oder orthographisch) noch zu klären ist. Bitte weitere Rückmeldung bis 5.1.2010.

  • Julia says:

    1.4 #lol
    #ihaumio oder #haumio oder #hmo … sowas in die richtung

    2.2 züpföhgsicht ich würde ja züpfigsicht sagen aber das ist wohl nicht überall gleich

  • jana says:

    #ihaumio – wunderschoen:)

  • jana says:

    Eh ich es vergesse: Dank an Martin Leyrer für die RFC-Anregung: http://twitter.com/leyrer/statuses/6665680796

  • fatmike182 says:

    #ur oder #ure als Steigerungsform von allem
    1.5.1 #heast => #bump (demnach als #oida-Alternative eher nicht)
    1.6.1 #tschuldigung => #scnr

    2.2.2 #futkanista (eine sehr besondere Ausprägung deutscher Sprache)

    Gitbs was für #sskm (ist das zu deutsch?)?
    #pockined-Phase ist glaub ich schon vorbei…

  • axkibe says:

    #lol = #iaumio (ich hau mich ab)

    Von Benutzung des Ausdrucks 2.5 würd ich Online-Medien ohne physikalische Interaktionsmöglichkeit abraten.

  • jana says:

    #iaumio – klingt nach Katze mit Bauchschmerzen. Ob Ausdruck 2.5 benutzt wird ist Frage der Selbstkontrolle, die der Internetrat natürlich uneingeschränkt empfiehlt.

  • axkibe says:

    iaumio ist eine “Katze mit Bauchschmerzen”, ihaumio aber “wunderschön”, bitte wenn das h soviel ausmacht ….

  • heidihu says:

    noch ein vorschlag für essentielle äusserungen:

    #bog
    bist o’grennt?

    #sog
    seid’s / san’s o’grennt

    hochachtungsvoll
    hu

  • judith says:

    Möchte das englische Kürzel 1.7.#RIP hier zur Diskussion stellen, kann aber bisher noch keine Lösungsansätze zur sinnvollen Eindeutschung bieten.
    Leider keine korrekte Übersetzung aber eine schöne Variante wäre 2.7 #ASCHL für “A scheene Leich'”.

  • Kurt Fleisch says:

    statt #pockined würde ich #unpackbar vorschlgen. wobei, ist auch schon wieder out, daher vielleicht schlicht und einfach #oarg (für #wtf).
    #…kinda tät mir noch gefallen (etwa #hurnkinda), wichtig auch: #gehscheissn und #schleichdi

  • lukasgaertner says:

    Oder auch #eiter 💡

  • Wini says:

    Gerade eingefallen
    #geil
    #hearst
    #bistdumopped
    #deppat
    #scheißmichan

  • Wini says:

    #RIF – Ruhe in Frieden

  • Beantrage die aufnahme von #ätsch als 2.8. Mit Umlaut, selbstverständlich.;)

  • jana says:

    Erweiterung zu 1.3 #ftw

    #schee
    #leiwand

    und
    #voischee

  • Jana Herwig says:

    add to #Twittercode_at RT @HubertSickinger schlage vor für “es gilt die Unschuldsvermutung” stets einen Kurz-Hashtag zu verwenden 😉 #egduv

Kommentieren